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REALTY – STATECRAFT – EXIT?

Zielsetzungen für die zeitgenössische Kunst, die über die Kunst hinausgehen.
Eine Veranstaltung von Tirdad Zolghadr und dem KW Institute for Contemporary Art bei ExRotaprint, Diskussionsrunde auf Englisch.
Fr. 16. Nov. 2018, 18 bis 20 Uhr, im ExRotaprint Projektraum “Glaskiste”

Zeitgenössische Kunst macht von Jahr zu Jahr institutionell und geographisch an Boden gut. Und wo immer sie schon etabliert ist, wird der Freiraum der Kunst zum moralischen Selbstzweck. Angesichts der tatsächlichen moralischen Beschaffenheit des Kunstbetriebs ist das alles sehr erstaunlich. Und zum Glück kann man das Kunstfeld auch jederzeit verlassen. Handkehrum kann man auch versuchen, die Ressourcen der Gegenwartskunst ganz anderen Zielsetzungen zu widmen. Exit ist eine Abendunterhaltung unter einer Handvoll Akteure, die ebendiese Taktik verfolgen. Sie zielt auf eine Klärung der Begrifflichkeiten hinaus; könnten Wortgebräuche wie Regulierung, Didaktik, Instrumentalisierung oder sogar Propaganda vielleicht neu verhandelt werden?
mit: Victoria Ivanova, Suhail Malik, Daniela Brahm, Les Schliesser und Gästen
Weitere Details zum Programm hier: https://www.kw-berlin.de/realty-statecraft/

 


 

REALTY – STATECRAFT – VORTRÄGE

Zielsetzungen für die zeitgenössische Kunst, die über die Kunst hinausgehen.
Eine Veranstaltung von Tirdad Zolghadr und dem KW Institute for Contemporary Art bei ExRotaprint, Vorträge auf Englisch.
Sa. 17. Nov. 2018, 13 bis 19 Uhr, im ExRotaprint Projektraum “Glaskiste”

Das REALTY-Programm thematisiert die Mitverantwortung des Kunstfeldes an der Gentrifizierung und Finanzialisierung des urbanen Raums. Zeitgenössische Kunst spielt eine umfassend dokumentierte Rolle bei der Neuentwicklung und Regulierung von Städten. Grundsätzlich argumentiert REALTY, dass jede Rollenveränderung einen Wandel an der ökonomischen und ideologischen Basis der zeitgenössischen Kunst voraussetzen würde.
Schließlich werden blanke Künstler*innen nicht davon absehen, dem Immobilienmarkt in die Hände zu spielen. Das Recht auf Stadt kann nicht eingelöst werden, solange Vielfliegerei das „Bestcase-Szenario“ darstellt. Und Theoretiker*innen und Kurator*innen, die an Narrenfreiheit glauben, machen alles nur noch schlimmer.
Manche behaupten, es sei ein guter Zeitpunkt, sich zu verabschieden. Die zeitgenössische Kunst ist zu einer schnell wachsenden Infrastruktur geworden, der die eigene weltweite Expansion mehr als alles andere am Herzen liegt. Eine zentrale Problematik ist, dass ihr Interesse an Subversion und Opazität so offensichtlich ist, wie ihre Geringschätzung von fundierter Positionierung. So wird die zeitgenössische Kunst zur idealen Hülle für Deregulierungsbestrebungen in aller Welt – im Hinblick auf Kapitalströme, Arbeitsbedingungen und die Finanzialisierung des öffentlichen Raums.
Andere wiederum scheinen überzeugt, dass das Feld noch immer einem besseren Zweck dienen könnte. Sie sind außerdem der Meinung, dass alternative Kunstbegriffeaucheine Neudefinition der Machtverhältnisse, an denen wir ohnehin teilhaben, zulassen würden. Wie könnte eine Kunst aussehen, die nicht zynisch und selbstausbeuterisch ist? Welche Terminologie würde hier greifen? Welche Strukturen wären nötig? STATECRAFT sucht nach pragmatischen Antworten auf diese recht dramatischen Fragen.

13 Uhr
Tirdad Zolghadr: STATECRAFT, REALTY, Contemporary Art – an Introduction (STATECRAFT, REALTY, Zeitgenössische Kunst – eine Einführung)

13.45 Uhr
Suhail Malik: After Gentrification: what and to whom are the allegiances of artists in the anti-gentrification mandate? (Nach der Gentrifizierung: Wem halten die Künstler*innen im Anti-Gentrifizierungs-Auftrag die Treue?)
Gentrifizierung sollte die Städte vor ihrem deindustrialiserten Niedergang bewahren. Dennoch erkennen nun sogar ihre Befürworter*innen an, dass Gentrifizierung eine Bedrohung für die Vitalität der postindustriellen Stadt darstellt. Beschränkungen für Gentrifizierung finden Eingang in die Welt der Politik, wie auch Anti-Gentrifizierung. Dabei steht es heute auf der Agenda globaler Städte Räume und Mieten für schwache Einkommensgruppen wie Kunstschaffende und kreative Unternehmer*innen zu schützen. In diesem Vortrag wird untersucht, ob und wie diese Überarbeitung des Gentrifizierungs-Programms über die eigennützigen Interessen der kreativen Klasse hinaus erfolgen kann. Insbesondere wird die Frage gestellt, wie die Kunstwelt ihre Privilegien einsetzen kann, um den Interessen derer zu dienen, die als erste von der Ungleichheit betroffen sind. Einer Ungleichheit, die durch die kreativ-geführte Gentrifizierung verstärkt wird: Es handelt sich ja in der Regel um Bevölkerungsgruppen mit wenig Kapital, historisch niedrigem Einkommen und niedriger sozialer Mobilität.

15.30 Uhr
Kristel Raesaar: Redistributing Risk – Tuleva as Case Study (Risiko umverteilen – Tuleva als Fallstudie)
Tuleva ist eine kollektive Finanztechnologie, die Estlands Finanzlandschaft von innen heraus verändert hat. Anstatt hohe Gebühren für bankeigene Dienstleistungen zu zahlen, riefen die 4000 Mitglieder ihren eigenen automatisierten Pensions-Fonds ins Leben. 18 Monate nach der Erteilung der Konzession verwaltet der Fonds bereits 70 Millionen Euro. Ohne die Involvierung von externen Investor*innen sind Tulevas Nutzer*innen auch ihre Eigentümer*innen. Die Stimme jedes Mitglieds ist gleich gewichtet, unabhängig von der Kapitalverteilung. Über welches Potenzial verfügt eine solche Struktur, und welche Herausforderungen entstehen daraus? Könnte Tulevas Modell nützlich sein, um die Macht-Asymmetrien innerhalb des Biotops der zeitgenössischen Kunst anzugehen?

16 Uhr Renzo Martens: Reverse Gentrification
2012 gründete Martens das Institute for Human Activities (IHA) und sein Reverse Gentrification Program in der Demokratischen Republik Kongo. Zusammen mit den Plantagen-Arbeiter*innen des Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (CATPC) nutzt er Kunstkritik, um ökonomische Ungleichheit zu überwinden – nicht symobolisch, sondern konkret und materiell. Dementsprechend eröffneten sie 2017 auf einer ehemaligen Unilever-Plantage einen von OMA designten White Cube, der weiterhin Kapital anziehen soll. Die Arbeit des CATPC wurde kürzlich in einer Einzelausstellung im SculptureCenter New York und auf der 21. Biennale von Sydney gezeigt.

17.30 Uhr Christopher Kulendran Thomas: New Eelam
New Eelam ist ein Langzeit-Kunstprojekt in Form eines Startups – ein Immobilien-Technologie-Unternehmen, das von dem Künstler Christopher Kulendran Thomas gegründet wurde, um eine neue Form des Wohnungsbaus zu entwickeln, der auf kollektivem Ko-Eigentum anstelle von individuellem Privateigentum beruht. Das Unternehmen hat seinen Ursprung in einer Zusammenarbeit mit Kuratorin Annika Kuhlmann, und nutzt als Ausgangspunkt die Involvierung der Kunstwelt in globale Prozesse, mittels derer Städte auf der ganzen Welt umgestaltet werden. In seinem Vortrag beleuchtet Kulendran Thomas sein fortlaufendes Projekt als Versuch einer Neuausrichtung dessen, was Kunst in struktureller Hinsicht real und tatsächlich vollbringen kann.

18 Uhr Rachel Rosenfelt: Rhetorical Software
Rachel Rosenfelt ist Gründungsmitglied von Dark Inquiry, einer Koalition aus Technolog*innen, Künstler*innen, Schriftsteller*innen und investigativen Forscher*innen, die die anti-humane Logik dominanter Technologien offenlegen und deren Dynamik zu egalitäreren Zwecken hin umlenken wollen. Die Experimente der Vereinigung wurden als „rhetorical Software“ bezeichnet und können in einer App, einem Bot oder einer erfolgreichen Medienkampagne mit landesweiter Wirkungskraft münden. Ziel ist es, mittels kollektiver Bemühungen Handlungsfähigkeit zu bewirken, wobei die Sprache strategisch als Asset genutzt wird, über ihre allein darstellende Aufgabe hinaus.

Alle Details zum Programm hier:
https://www.kw-berlin.de/realty-statecraft/

 


 

Ensemble Adapter im ExRotaprint Projektraum

Jahresausblick 2018:
14. November (Portrait – Simon Löffler)
12. Dezember (Best of Open Mic – Abschlusskonzert)